Jan Muche

„Ein Schritt vor, zwei Schritt zurück“ – Jan Muche. Museum Wiesbaden

Die Kunst von Jan Muche (*1975, Herford) thematisiert gesellschaftliche, linke Utopien. Im Ilya Kabakov gewidmetem Künstlerraum treten seine Skulpturen und Bilder in den Dialog mit Kabakovs raumgreifender Installation „Der Rote Waggon“. Die Intervention „Ein Schritt vor, zwei Schritt zurück“ ist bis zum 4. April 2027 im Museum Wiesbaden zu sehen.

Für den in Berlin lebenden Künstler Jan Muche stand von Anfang an fest: Eine künstlerische Intervention im Museum Wiesbaden kann für ihn nur im Kabakov-Raum stattfinden. Neben einer stilistischen Nähe verbindet die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Utopien beide Künstler. Ilya Kabakov thematisiert eine solche Utopie am Beispiel des Aufstieges und Niedergangs der Sowjetunion, die er in der Installation Der Rote Waggon künstlerisch verarbeitete. Auch Muches Schaffen ist geprägt von der Beschäftigung mit gesellschaftlichen Illusionen, genauer mit linken gesellschaftlichen Utopien. Dabei thematisiert er soziale Fragen, Missstände und gesellschaftliche Ungerechtigkeiten. Durch seinen Bezug zu russischen Künstlern in der avantgardistischen Formensprache wird eine Verbindung zu Kabakov möglich, der den euphorischen Aufbruch von Kunst und Politik in Russland an den Anfang seiner Installation gestellt hat. Muche greift den Geist Kabakovs auf und führt ihn weiter, indem er dessen Installation mit Bildern, Skulpturen und Objekten erweitert.
Muches gemalte Stahlbaukonstruktionen sind Zeugnisse der Industrialisierung, ihrer unendlichen Möglichkeiten und zugleich der entbehrungsreichen Arbeit, die dafür aufgebracht werden musste.

„Auf den Staffagen die an Bauschilder erinnern befinden sich zukünftige Darstellungen, die von harter Arbeit zeugen. Sie sind Visionen einer anderen, besseren Zukunft,“ so Kurator Peter Forster.

Arbeit, Gerechtigkeit, Verteilung und Teilhabe verbinden sich in der gemalten Stahlarchitektur zu den gesellschaftlichen Fragen, mit denen Muche den Besucher konfrontiert. Die Intervention zeigt, wie Arbeiter ausgebeutet und der Begriff der Arbeit missbraucht werden können.

Wenn Muche Lenins grundlegende Schrift „Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück“ von 1904 als Headline seiner Ausstellung zitiert, jedoch das »e« in »Schritte« bewusst streicht, weist er sehr subtil darauf hin, dass sich die Zeiten und unsere Einstellungen geändert haben.

11. September 2026 – 04. April 2027

Museum Wiesbaden
Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2
65185 Wiesbaden

https://museum-wiesbaden.de/jan-muche

Text: (c) Museum Wiesbaden
Foto: (c) Jan Muche, OT (Detail), 2013

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